Dein letzter Tag  ! 

 

 

 

Wie jeden Morgen klingelte unser Wecker um 5 Uhr. Wie jeden Morgen brauchtest du etwas länger um wach zu werden. Wie jeden Morgen warst du aber pünktlich um 5:30 Uhr für die Arbeit fertig. Wie jeden Morgen fuhr ich dich und Papa zur Arbeit. Alles war wie immer. Alles war wie jeden Morgen. Nichts warnte uns vor.  Nichts sagte uns, dass wir Dich für immer verlieren würden.

 Dein kleiner Bruder ging zur Schule. Ich putzte die Wohnung und fuhr dann mit deiner Schwester zum Einkaufen. Es war ein schöner Morgen. Mandy erzählte mir, dass sie am Wochenende eine Party machen wollte und daß Du und einige Freunde  kommen wollten. Wir kauften ein und kochten für Mandy. Dann kochten wir unser Mittagessen. Dein kleiner Bruder kam von der Schule und wir holten dich und Papa von der Arbeit ab. 

Zu Hause angekommen gingst du erst mal an den PC und unterhieltst dich mit deiner Schwester. Gegen 14:30 Uhr haben wir dann zu Mittag gegessen. Du hast mit einer Gesichtsmaske am Tisch gesessen und wir haben noch Scherze darüber gemacht.

 Nachher, als du die Creme entfernt hattest, habe ich dir übers Gesicht gestreichelt. Du kannst dir nicht vorstellen, wie dankbar ich für diesen Augenblick bin!  

Du hast dann die nächsten zwei Stunden am PC gesessen. Als Markus dann kam, seid ihr um 18:30 Uhr nach Stolberg zu deinem Freund Kevin gefahren. Du sagtest: "Tschüß Mama, bis später."

 Das war das letzte Mal, dass wir dich lebend gesehen haben. Warum hab ich nicht gesagt, dass Du nicht so spät nach Hause kommen sollst? Du musstest am nächsten Tag früh raus. Sonst hab ich das immer gesagt oder ich hab Dich angerufen. Nur an diesem Tag nicht.

 WARUM???

 Du wärst sonst bestimmt mit Markus um 21 Uhr wieder zurück gefahren, wie du es eigentlich vorhattest. Dieser MÖRDER wäre Dir dann nicht begegnet und wir fünf wären immer noch zusammen. Um 23 Uhr wollte ich gerade den Wecker für den nächsten Morgen stellen und zu Bett gehen.

Da klingelte das Telefon, dein Freund Thomas rief an und sagte: " Kevin ist angestochen worden, können Sie nach Stolberg ins Krankenhaus kommen."  Ich sagte nur "Ja"  und habe aufgelegt. Ich wusste nicht was ich denken sollte, wollte nur zu dir. Ich redete kurz mit Papa und er sagte , ich soll zuhause bei deinem kleinen Bruder bleiben. Ich fing an die Wohnung zu putzen, obwohl alles sauber war ( UND DU LAGST IM STERBEN). 

Dein Papa rief mich um 23:30 Uhr an und sagte das DU noch gar nicht da wärst und mitten im Gespräch sagte er: "Ich muss auflegen, ich glaube sie fahren mit Kevin gerade in die Schleuse rein". Und ich, ich putzte weiter.

Währenddessen betete ich zu GOTT  "lass es nichts schlimmes sein. Bitte, lass es nichts schlimmes sein!" Dann dachte ich, bestimmt wird er nur DREI STICHE genäht und kommt gleich mit Papa zur Tür rein und grinst mich an. In Gedanken schimpfte ich schon mit euch, weil ich nichts mehr von euch hörte.

 Um 00:30 Uhr klingelte es dann, ich dachte ihr seid es. Doch vor der Tür standen Oma und Opa, wie ZWEI VERLORENDE SEELEN standen sie da SCHUTZLOS und VOLLER SCHMERZ. Sie kamen rein und wollten mit mir ins Wohnzimmer, aber ich stand da WIE STEIN, wollte nicht hören was sie mir sagen mussten. ICH WOLLTE ES NICHT HÖREN. Dann kam der Satz denn ich MEIN LEBEN lang nie wieder vergessen werde.

Oma sagte   " KEVIN KOMMT NICHT MEHR"    Ich hörte auf zu denken spürte nur diesen UNSAGBAREN SCHMERZ,  jemand nimmt dir die LUFT ZUM ATMEN, REISST DEIN HERZ RAUS, und BOHRT MIT EINER RIESIGEN FAUST  IN DEIN  INNERSTES.

 Irgendwann saß ich zwischen meinen Eltern auf dem Sofa. Ich weiß nicht mehr was sie mir sagten. Da war nur dieser SCHMERZ und mein flehen zu Gott " BITTE NICHT", aber er hat mich nicht erhört. Ich fuhr mit Opa dann nach Stolberg zum Krankenhaus. Im Auto dachte ich immer nur "DAS IST NICHT DEIN KIND", dass kann nicht sein, die kennen ihn doch gar nicht. Es gab keinen anderen Gedanken mehr in mir. Nur dieser eine.

Im Krankenhaus angekommen, kam dein Papa auf mich zu. Über die folgenden Stunden kann ich im Moment noch nicht schreiben, es tut einfach zu weh.

 Wie wir später dann erfahren sollten, wart ihr bis um 21:45 Uhr bei deinem Freund Kevin. Ihr habt am PC gesessen und rumgealbert. Deine Cousine Jenny hatte Zuhause was vergessen und fragte dich, ob du mit ihr kurz mit dem Roller nach Hause fahren würdest. Da du aber eine Flasche Bier getrunken hattest, sagtest du ihr, sie sollte besser mit ihrem Freund Kevin fahren! Jenny ist dann mit Kevin gefahren! Du hast mit Yvonne zusammen Marcel zum Bahnhof gebracht, auf dem Weg dorthin habt ihr Timo getroffen. Deine Freunde Thomas und Soro waren in der Zwischenzeit bei Mc Donald's. Ihr habt euch dort wieder getroffen und wolltet gemeinsam wieder zu Kevin gehen. Was geschah dann?

Man hat dich auf offener Straße grundlos erstochen.

 Der genaue Tathergang?

Das zu schreiben, dafür fehlt mir im Moment noch die Kraft!!!

 

 

 Dein Mörder ließ dir keine Wahl,

doch dein Lächeln wird mir bleiben.

In meinem Herzen als Sonnenstrahl,

kann selbst der Tod es nicht vertreiben.

In unendlicher Liebe

                                                                                    

                          Mama                 

 

 

Kevin du fehlst mir so sehr !!!

 

Lieber Kevin

Du fehlst mir so sehr.  Jeden Tag und jede Stunde. Ich wünschte, ich könnte mein Leben gegen deines eintauschen. Ich hab dir doch immer helfen können. Warum dieses eine Mal nicht? Warum? Ich versteh das nicht. „Lieber Gott, nimm doch mein Leben und gib meinem Sohn seines zurück! Bitte !!! “ Du hast so vieles nicht erleben können. Das ist doch nicht fair.

46 Tage ohne Dich

46 Tage nicht die Frage „was gibt´s zu Essen“

46 Tage dich nicht am Computer sitzen sehen

46 Tage nicht hören wie es beim Pokern steht

46 Tage dich nicht wecken dürfen

46 Tage nicht mit dir reden dürfen

46 Tage nicht mein Leben mit dir teilen dürfen

Wir hatten so gute Gespräche. Ich möchte dich wiederhaben. Dich in die Arme nehmen und dir sagen wie sehr ich dich liebe und was für ein toller Junge du bist. Ich war immer stolz auf dich. Du hast mich immer mit Respekt behandelt. Mir gezeigt, wie wichtig ich für dich bin und das du mich liebst. Du weißt, dass das nicht alltäglich ist. Oft genug hast du mir von Freunden erzählt, die echt schlecht und frech zu ihren Eltern waren. Ich weiß, dass du das total nicht leiden konntest. Danke Kevin, danke, dass du mir immer das Gefühl gegeben hast, wichtig für dich zu sein.

In ewiger Liebe

 Mama

 

Jetzt sitze ich hier!          

 

Hier wo ich mich wohl fühl. Hier wo ich sein will, wenn ich gehen muss.Bei dir. Es tut weh dir diesen Brief zu schreiben, weil es mir sagt, das ich diesen Brief  nicht schreiben würde, wenn Du noch hier bei mir, bei uns wärst und nicht Tod. Tod aus deinem, aus unserem Leben gerissen. Tod nicht weil Du leichtsinnig warst, Tod nicht weil Du irgendjemanden was Böses wolltest. Nein, Tod weil es Menschen gibt die sich verabreden, sich bewaffnen und auf die Suche machen um zu Töten. Zu Töten ohne Grund.

 

Es ist Freitag der 4.4.2008. Der Tag der alles verändern soll. Morgens 5:00 Uhr, der Wecker klingelt. Wie immer brauchst Du deine 15 min. um aus dem Bett zu kommen. Wie immer bist Du aber pünktlich um 5:30 Uhr fertig. Das heißt angezogen, gewaschen, Bett gemacht und noch schnell was Musik hören, auch wenn es nur ein paar Strophen sind. Dein Parfüm liegt in der Luft. Ich sag „ und fertig?“, wir müssen es ist halb sechs. Du, Mama und ich gehen zum Auto. Wie immer setzt Mama uns vor der Arbeit ab. Mein Kuss, dein Tschüß Mama.

Wir gehen zur Umkleide, Du bist wie immer vor mir fertig und wartest auf mich. Zusammen gehen wir zum Pausenraum. „Tee oder Kakao“ sage ich. „Tee“ sagst du, genau wie ich. Wie immer haben wir unseren Tee getrunken, sind dann in die Halle und haben noch eine geraucht. 6:00 Uhr du gehst an deinen Arbeitsplatz. In den Pausen war es wie immer, schnell hast du deine Brote gegessen um dann mit dem Handy SMS zu schreiben. Am Schicht ende nach dem Duschen, beim Umziehen, musstest  Du natürlich wieder auf mich warten. Zusammen sind wir raus zum Auto, wo Mama schon auf uns wartete. Kuss von mir, ein Hi, Mama von Dir. „Na meine Männer wie war die Arbeit?“ „Wie immer“ sage ich. Und Du „Warm“. Zu Hause an der Tür steht Robby Schwanz wedelnd in der Hoffnung auf ein paar Streicheleinheiten von Dir und ein Leckerchen von mir. „Na Digger“ sagst du. Natürlich gehst du in die Hocke und Robby kriegt seine Streicheleinheiten und von mir sein Leckerchen. Dein erster Weg ins Zimmer, Tasche weg und schnell ins Wohnzimmer. Computer an und Mama ruft „Essen ist jetzt gleich fertig“ „Ja Mudder“ sagst Du.

Eine Weile später als ich am Küchentisch saß und Mama Euch drei zum Essen rief, kamst du um die Ecke und hattest das ganze Gesicht dick eingecremt, wir lachten und ich sagte „Wie willst du damit Essen?“. Denn Mama hatte Spaghetti Bolognese gekocht. Aber irgendwie hast du es geschafft. Nachmittags, ich saß im Wohnzimmer auf der Couch und guckte Fernsehen. Du sahst am Computer, hattest dir Kopfhörer angezogen um mich nicht zu stören.Hörtest deine Musik und spieltest Poker-Stars. Ab und zu hörte man ein „Nein“ und du sagtest „guck mal der hat einen Drilling“. 

Kurz nach 18:00 Uhr standest du auf und sagtest „Papa willst du weiter spielen? Markus kommt jetzt, wir fahren nach Stolberg. Aber nicht alle Punkte verspielen“. Um 18:30 Uhr sagtest du „Wir fahren jetzt“. Keiner sagte „Halt ihn fest“ oder „geh nicht“. Keiner sagte „Drück ihn und sag ihm wie Stolz du auf ihn bist“. „Wie sehr du ihn liebst“

Nein keiner, es war wie immer. Abends um 23:00 Uhr, wir waren gerade im Begriff ins Bett zu gehen, klingelte das Telefon. Mama sagte mir mit aufgeregter Stimme „Das war Thomas der sagte „Kevin hat eine Stichverletzung, ob ich mal nach Stolberg zum Krankenhaus kommen kann“. Ich muß fahren sagte sie.Ich sagte „Nein, Tobias schläft, ich fahr.

Auf dem Weg zum Krankenhaus dachte ich noch " Mensch Kevin, jetzt hältst du dich aber mal von dem scheiß Stolberg fern, ich habe es nie gern gesehen, wenn du nach Stolberg gefahren bist. Ich weiß auch nicht Warum! Aber es war so!Als ich im Krankenhaus ankam, fragte ich den Pförtner nach dir. Er sagte er wüsste bescheid, der Krankenwagen wäre noch unterwegs und zeigte mir den Weg zu Notaufnahme. Wie ich dort stand, dachte ich noch " jetzt bin ich noch eher hier als der Krankenwagen".

Nach einer Weile hörte ich Stimmen hinter der großen Schiebetüre und die Tür ging auf. Zwei Sanitäter kamen mit einer Krankenliege raus. Kevin dachte ich! Aber es war jemand anderes.

Die Türe ging wieder zu, ich hörte wieder Stimmen. Erneut ging die Tür auf. Nur einen schmalen Spalt. Eine junge Krankenschwester kam heraus und ging eilig weg. Nach kurzer Zeit kam sie mit zwei Blutkonserven zurück. Erschrocken sagte ich" Ich bin der Vater von Kevin Plum, kann mir jemand was sagen?" Sie sagte nur "Gleich" und ging rein. Hinter der Türe hörte ich eine Männerstimme. Er sagte " Wenn er jetzt nicht sofort in denn OP kommt, stirbt er". Ich wusste sofort dass er dich meint. Ich stand da und konnte an nichts anderes mehr denken, als immer wieder" Lieber Gott lass ihn nicht sterben". Ich ging auf dem Flur hin und her, bis ein Mann auf mich zu kam und mich fragte, " ob ich dein Vater bin". "Ja" sagte ich und wollte fragen, wie es dir geht und ob ich zu dir kann. Aber dazu kam es nicht mehr. Er sagte " Es tut mir leid, aber wir konnten nichts mehr für ihn tun. Es gibt Verletzungen da sind auch wir Machtlos. Ihr Sohn war schon klinisch Tod, als er hier ankam." Ich stand da wie versteinert, wie in einem leeren Raum und die Stimme des Mannes erschien mir wie ein Schall. Ein Schall der in mich eindrang und wie ein reißender brennender Schmerz um mein Herz legt. Ich sagte " Das kann nicht wahr sein". Doch er fragte nur, " Ob ich einen Seelsorger bräuchte oder telefonieren möchte?" Wie betäubt drehte ich mich um und ging. Ich ging vorbei an dem Pförtner, dieser Blick, ich werde ihn nie vergessen. Er sah mich voller Endsätzen, Mitgefühl und Unbeholfenheit an. Dann stand ich draußen vor dem Krankenhaus. Ich konnte deine Mama nicht anrufen, was sollte ich ihr sagen, sie war alleine und Tobias Schlief. Meine Eltern? Sie waren im Urlaub. Ich rief Mamas Eltern an, nach endlosen Klingeln, kam Oma ans Telefon als ich ihre Stimme hörte gehorchten mir meine Beine nicht mehr und ich ging in die Knie. ich sagte nur" Ich bin’s Ludwig. Kevin ist Tod, ihr müsst nach Sabine. Es schoss aus mir raus wie ein Hilfeschrei. Ein Hilfeschrei tief aus meinem Herzen, ein Hilfeschrei nach dir, meinem Sohn. Aus dem Leben gerissen, von mir gerissen. Ich wünschte ich wäre bei dir gewesen, ganz nah bei dir und hätte dich in meinen Armen halten können. So wie ich dich das erste Mal in den Armen gehalten habe, als du auf die Welt kamst. Und hätte dir sagen können, das du nicht alleine bist. das ich bei dir bin, ganz nah und dich halte. Aber das ist mir genommen wurden. Es bleibt mir nur die Hoffnung und die Gewissheit tief in meinen Herzen, das der Tag kommt an dem ich dich in meinen Armen nehmen kann.

                               In Liebe Papa

 

 

K   steht für    MEIN KIND

E   steht für    EWIGE LIEBE

V   steht für    UNSERE VERBUNDENHEIT

 I   steht für    IMMER UND EWIG

N   steht für     NEUNZEHN WUNDERVOLLE

                  JAHRE MIT DIR

 

NIE WIEDER  -  dein Lachen sehen

NIE WIEDER  -  deine Stimme hören

NIE WIEDER  -  deine Augen sehen

NIE WIEDER  -  deine Liebe spüren

NIE WIEDER  -  deine Pläne hören

NIE WIEDER  -  deine Probleme lösen

NIE WIEDER  -  deine Geschichten hören

NIE WIEDER  -  deine viel zu laute Musik

NIE WIEDER  -  deine Haare rasieren

NIE WIEDER  -  dir beim Pokern zu sehen

NIE WIEDER  -  dich zu Freunden fahren

NIE WIEDER  -  mit dir gute Gespräche führen

NIE WIEDER  -  mit Papa arbeiten gehen

NIE WIEDER  -  mit dir auf dem Balkon sitzen

NIE WIEDER  -  mit dir Auto fahren

NIE WIEDER  -  mit dir diskutieren

NIE WIEDER  -  mit dir telefonieren

NIE WIEDER  -  mit dir lachen

NIE WIEDER  -  Kevin, Gute Nacht

NIE WIEDER  -  Danke, Mama

 

        Nie wieder Leben mit dir

 

 

 


 

 

 

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