Drei unfassbare Jahre ohne Kevin.


Auch nach drei Jahren ist Kevins Tod wie ein Alptraum, in dem wir leben und nicht mehr raus kommen.
Manchmal denke ich: "Ich habe den tiefsten Punkt der Verzweiflung erreicht. Weiter kann ich nicht gehen."
Und doch gehe ich weiter.
Jahr für Jahr........
Immer und immer wieder denke ich an die vergangene Zeit zurück, mit Schmerzen und Wut, aber auch mit Dankbarkeit und unglaublicher Liebe. Mit Liebe, die nur wir in unseren Herzen fühlen, niemand kann sie uns nehmen, sie ist Kevins Geschenk an uns und etwas ganz BESONDERES.

Kevins Liebe gibt mir die Kraft all das zu durchleben und meinen Weg zu gehen. Wohin dieser führt weiß ich noch nicht, doch ich lerne auch in andere Richtungen zu sehen…

 

 

 

 

 

Nicht die erste Zeit des Verlustes ist die Schwerste, sondern die,
in der andere anfangen zu vergessen, während ich selber immer wieder
zurückfalle und mich in meiner Trauer selbst zurückziehe.
Die Zeit in der keiner meine Tränen sieht, keiner sieht wie sehr ich leide.
Ich zeige es nicht denn ich will kein Mitleid, kein geheucheltes Verständnis.
Manchmal reicht es einfach wenn man mir beim Schweigen zuhört und mich
annimmt ganz so wie die Trauer mich hat werden lassen.
Einen Menschen zu verlieren ist schon so schwer, ich weiß es ja,
aber ein Kind zu verlieren ist als wäre ein Teil von einem selber

mit ihm gegangen und kehre nie zurück.
Wie bitte soll ich werden wie ich war? Ich weiß es nicht!

Manchmal da suche ich mich, ich kann mich aber nicht finden.
Manchmal da möchte ich mich mitteilen, finde aber keine Worte.
Es bleibt ein trauriger Blick der zu oft falsch gedeutet wird.
So ziehe ich mich immer weiter zurück.
 
Manchmal da hätte ich es gerne anders aber ich kann es nicht ändern. 
Was ihr seht ist eine gut gebaute Fassade.
Eine Fassade die mich schütz vor weiteren Schmerzen, vor mir, vor
einem Menschen, einer Mama die keiner verstehen kann, weil für alle
anderen das Leben einfach weitergegangen ist.
Für mich stand es still und es sind Lücken entstanden die ich nicht
zu füllen vermag.
Zu viele ungesagte Worte, zu viele ungezeigte Gefühle, haben
den Weg aufeinander unüberwindbar gemacht.
Ihr könnt mich belächeln, den Kopf schütteln und ihr dürft über mich denken
was ihr meint, dass es der Wahrheit entspricht.
Manchmal da muss man erlebt haben um fühlen zu können was ich fühle.
Manchmal da muss man genauso leiden, um diesen Schmerz zu kennen,

den ich aushalte.  
Keinem Menschen gönne ich durch die Hölle zu gehen, die ich noch immer nicht

verlassen habe.
Es ist die Liebe die mich in ihr gefangen hält.
Eine Liebe die unvergleichbar ist, eine Liebe die alles ist,
Vergangenheit, Gegenwart und eine Zukunft mit Kevin, die mir nicht gegönnt ist!

 

 

Hallo mein Schatz

 

Drei unfassbare Jahre liegen hinter uns. Drei Jahre Kevin. Für viele ist diese Zeit eine Ewigkeit, doch für mich ist es als wenn es erst gestern gewesen wäre.

Dein Tod! Die Nachricht! Alles vorbei!

Das unbeschwerte Leben ist nur noch Erinnerung! Ein anderes Leben hat begonnen. Ein Leben in dem ich mir selber fremd bin und ich den Sinn einfach nicht sehe. Doch welchen Sinn sollte dein Tod auch haben?

Nie hätte ich gedacht mit so viel Schmerz und Trauer weiter leben zu können. Wie haben wir  drei Jahre ohne dich nur durchgestanden?

 Nun versuche ich ganz langsam seit eurem Geburtstag, Schritt für Schritt in dieses andere Leben zu gehen.

Ich weiß dass du mir an diesem Tag ein Zeichen gegeben hast und ich weiß das der Weg den ich gehe der Richtige ist. Es ist sehr schwer, mühselig und unglaublich ansträngend. Jede noch so kleine Veränderung tut mir weh und macht mir Angst.

 Doch ich versuche wieder Freude ohne schlechtes Gewissen zu zulassen oder das Glück wirklich zu fühlen das deine Geschwister und der kleine Felix in unser Leben bringen.

Du hättest deine Freude an dem Kleinen Mann, er ist so lieb Kevin. Ein richtiger kleiner Sonnenschein, er bringt so viele schöne Momente in unser Leben und ich weiß, auch wenn du Mandy am Anfang ihrer Schwangerschaft wahrscheinlich für verrückt erklärt hättest, würdest du heute den Kleinen abgöttisch lieben und wärst so Stolz auf deine Schwester.

Ich hoffe so sehr, das du ohne Wehmut ein wenig zu uns sehen kannst. Das du siehst wie großartig auch Tobias mit Felix umgeht, wie sehr er den Kleinen liebt. Felix strahlt jedes Mal wenn sein Toto zur Tür rein kommt.

Es sind aber auch andere Dinge auf die ich mich freue. Unser zweites Enkelkind, Ausflüge die wir planen oder einfach Zeit die ich mit Menschen verbringe die mir sehr wichtig sind. 

Und doch ist auch dort immer die Angst und das Bewusstsein das von jetzt auf gleich alles vorbei sein kann.

Es ist so schwer ohne dich Kevin. Immer ist der Gedanke da, das du all das nicht mit erleben darfst. Das du gewaltsam aus deinem Leben gerissen wurdest und ich verstehe nicht warum so eine Kreatur weiter Leben darf und du nicht?

Du fehlst mir, uns allen so unbeschreiblich. Egal wo wir sind und was wir gerade machen, du bist immer dabei. In unserem Herzen und unseren Gedanken begleitest du uns durch Raum und Zeit. 

Du bist, immer stärker, immer fester, ein Teil von mir, den ich nicht vergessen,

nicht aufgeben, nicht loslassen und vor allem nicht leugnen will.

Du bist jeden Tag und überhaupt jede Minute der Teil von mir, der mich, so wie ich heute

bin, ausmacht. 

Du bist, jeden Tag ganz nah bei mir. 

In unendlicher Liebe,

Mama

 

 

 

DEIN Name bleibt –
mit meinem Herzen für DICH gewählt,
mit meinen Lippen geformt.
Geflüstert –
als DU ins Leben kamst.
Gerufen –
in vielen Augenblicken DEINEN Lebens,
in allen Klangfarben.
Geschrieen –
nach DIR, über die Grenze, die Tod heißt.
DEIN Name bleibt –
auch wenn die Verzweiflung zu zerstören droht,
was nicht zerstörbar ist,
auch wenn mein Herz immer wieder fragt:
WARUM?
DEIN Name bleibt –
wenn ich in den Sternenhimmel schaue
und wenn meine Augen den Boden absuchen –
er steht dort geschrieben.
DU warst gestern –
DU bist heute –
DU wirst morgen sein in mir.
Mit meinem Herzen schrieb ich es in den Sand:
DEIN Name bleibt -
auch wenn die Winde tausend Tänze tanzen
und wilder Wirbel zu zerstören droht,
was nicht in mir zerstörbar ist:
DEIN Name bleibt -
auch wenn das Silberrad des Lebens wie
ungefragt und selbstverständlich weiterläuft:

 

 

Wie geht es mir ?

 

Eine gute Frage, die ich nicht so leicht beantworten kann.

Wie geht es mir?

Mal so, mal so. Mal unten, mal weiter oben.

Nie mehr so gut wie früher.

Das >gut gehen< hat eine andere Ebene.

Wenn ich sage, es geht mir gut, meine ich etwas anderes als ein nicht Betroffener.

Was heißt schon gut?
Ich lebe, kann mich auch mal über etwas freuen, aber ich erreiche nie das Level von vorher! Meine Freude ist immer mit Wehmut verbunden, mit Sehnsucht.

Ich habe tief in meinem Herz diesen großen Verlust und immer im Hinterkopf gespeichert,
dass mein Sohn mir fehlt. 

Wie sollte er mir auch nicht fehlen?

Ich habe ihn auf die Welt gebracht,
hab ihn aufwachsen sehen, hab ihn kennen gelernt mit
all seinen Interessen, Vorlieben und Abneigungen.

Kenne ihn so gut wie kein anderer, kenne seine Ecken und Kanten.

Seinen Eigensinn, seine Liebenswürdigkeit,
seinen Stolz, seinen Charme und
sein gutes Herz.

Er hat so viel gegeben und ich durfte teilhaben,

an so vielen Dingen in seinem Leben.
Er hatte meinen Humor, konnte genau wie, auf jede Art von Mensch zu gehen

oder auf Partys einfach den Clown spielen und machte sich über jeden sein eigenes Bild,

ohne sich Gedanken darüber zu machen was andere von ihm dachten.

Und genau wie sein Papa hatte er auch seine ernsten und zielstrebigen Seiten.

Von klein auf an hat er mit Konsequenz und liebe versucht seinen kleinen Bruder mit zu erziehen. Nie hätte er jemanden an seine Familie oder Menschen, die er liebte ran gelassen!

Immer ging er Arbeiten, für keine Arbeit war er sich zu schade.

Auch den Ordnungssinn hatte er von seinem Papa. Schon mit sechs Jahren war sein Zimmer immer ordentlich und als er älter wurde hielt er dies auch immer bei. Nie lief in seinem Zimmer der Aschenbecher über, lagen Anziehsachen verstreut herum oder häufte sich Papier von ausgepackten Süßigkeiten. Selbst seine privaten Papiere hatte er mit System geordnet, für mich eine lästige Arbeit, für die beiden selbstverständlich.

Kevin war so vielseitig, an so vielem interessiert und nie fehlte es an Gesprächsstoff wenn man mit ihm zusammen saß. 

Ich habe ihn so sehr geliebt und ich werde ihn ewig  lieben. 

Er war so positiv, so optimistisch, so lebensfroh! 

Wie sollte er mir also nicht fehlen? 

Wie geht es mir also? Mir geht es wie Kranken,

einem Amputierten, dem z.B. ein Arm fehlt.
Ich fühle mich nicht mehr normal,
getroffen bis ins Innerste!

Keiner würde das mehr merken, der es nicht
merken will.

Ich komme klar, gehe meinem Weg nach und lenke mich ab.
Das klappt zeitweise so, dass ich weniger über alles
nachdenke. Aber egal, was ich im Moment denke oder tue,
sofort ist Kevin in meinen Gedanken.

Der Gedanke an ihn, an seinen Tod

an sein Fehlen ist immer da.

So geht es mir. So lebe ich.
Anders als früher, komplett anders
und doch ähnlich!!!

 

 

 

Es heißt, die Zeit heilt alle Wunden.
Doch diese Wunden, kann die Zeit nicht heilen.
Diese Wunden kann keiner heilen.
Die Zeit kann mich nicht vergessen lassen, was geschehen ist.
Die Zeit kann einen Menschen nicht wieder zurückbringen.
Die Zeit kann mir die Erinnerungen nicht nehmen.
Die Zeit kann sich nicht zurückdrehen und alles was geschehen ist
rückgängig machen.
Die Zeit kann meine Sehnsucht die ich jeder Zeit in mir spüre einfach weg wischen.
Die Zeit kann meine Erinnerungen nicht verblassen lassen,
wenn ich an deinem Grabe stehe.
Die Zeit kann meine Wunden nicht heilen, die ein geliebter Mensch
hinterlassen hat.
Diese Wunden werden ewig schmerzen und die Zeit kann nichts dagegen tun.

 

Etwas das ich verwaisten Eltern mit auf den Weg geben möchte.

 

Du hast das Recht

Du hast das Recht, deine dunklen Stunden zu durchleben und dich nicht durch billige Sprüche aus ihnen herauslocken zu lassen. 
Schon der Versuch ist eine Entwürdigung deiner inneren Wirklichkeit.
Du bist auch deine Dunkelheit.
Die Abgründe und Widersprüche gehören auch zu dir.
Die Schatten geben deinem Leben Tiefe und Menschlichkeit.
Wer mit dir in Beziehung tritt, sollte wissen,
dass diese Seite zu dir gehört.
Wer sie in dir ablehnt, hat nicht das Recht,
sich deinen Freund und deine Freundin zu nennen.
Manche geben dir nicht das Recht auf diese Seite in dir.
Sie erwarten, dass du sie unterschlägst und das Glück vorspielst.
Vielleicht haben sie weniger Angst für dich als für sich selbst,
weil sie durch dich an das Unoffene in sich selbst geraten.
Wenn sie darum dir helfen wollen, geschieht es nicht,
um dir zu helfen, sondern sich selbst.
Du hast ein Recht auf deine Trauer.
Du darfst dich deinen Verlusten widmen,
musst nicht verdrängen, was dich beschwert.
Du hast ein Recht, das abzutrauern,
was dich so tief enttäuscht hat und was du nicht ändern kannst.
Du hast ein Recht auf deine Tränen, auf dein Schweigen, auf deine Ratlosigkeit, auf deine innere und äußere Abwesenheit.
Du musst nicht den Glücklichen spielen, nicht über den Dingen stehen.
Du hast ein Recht, die wegzuschicken,
die dich mit Gewalt aus deiner Trauer herausholen wollen,
weil deine Trauer sie selbst bedroht.
Du hast ein Recht auf deine Trauerzeit.
Du hast ein Recht, mit denen nicht reden zu wollen,
die dir ein schlechtes Gewissen machen für deine Dunkelheit und Trauer,
die mit Sprüchen kommen und dich mit diesen Sprüchen unter Druck zu setzen versuchen.
(aus Ulrich Schaffer: Grundrechte)

 

 

 

Die Jahre

Du fehlst, und die Jahre vergehen
ohne das die Erde sich aufhört zu drehen.
Die Jahreszeiten ziehen durchs Jahr,
als ob dein Tod ein Traum nur wahr.

Dein Platz hier bleibt für immer leer,
weiterleben fällt mir so schwer.
Es bleiben so viele Fragen
und eine Trauerlast, kaum zutragen.

Bedecke mit einer Maske mein Gesicht,
die nicht von meinen Gefühlen spricht.
Lebe mit einer Panzertracht,
die die Seele unverletzlich macht.
 

Dabei habe ich Angst vor Sehnsucht zu dir zu ersticken,

so als würde ich mir meinen eignen Galgen stricken.

Dieser Schmerz ist kaum zu ertragen,

möchte dich doch endlich wieder haben.

Doch verrinnen Stunden und Sekunden,
ohne das die Zeit heilt diese Wunden.
Wann nur endet hier meine Zeit,
wann beginnt unser Wiedersehen in der Ewigkeit?

 

Es tut so weh Kevin, von Tag zu Tag immer mehr.

Du fehlst uns so wahnsinnig!