Etwa zwei Monate vor der Tat



Im Internet existiert eine Kommunikationsplattform, die es den Nutzern
ermöglicht unter Einstellungen ihrer persönlichen Daten miteinander zu kommunizieren.
Neben dem Täter Josef A. und dessen Bruder Mohamad A. waren auch die Daten
unseres Sohnes Kevin dort eingestellt. Im Februar 2008 schrieb unser Kevin eine Freundin mit den Worten "Hallo süße" an. Da Mohamad A. dieses Mädchen als seine Freundin betrachtete war er mit dieser Kontaktaufnahme nicht einverstanden und sprach Kevin auf virtuellem Wege an. In der Folgezeit entwickelte sich daraus eine virtuelle
Auseinandersetzung, an der sich bald eine Vielzahl von Freunden beteiligte. Auch der Täter nahm auf Seiten seines Bruders teil. Drei Wochen vor der Tat jedoch trafen sich unser Kevin und Mohamad A. Unter Vermittlung einer gemeinsamen Freundin und legten den Streit bei. Die Familie des Täters war eine Woche zuvor in unsere Siedlung gezogen und die beiden wollten in Zukunft mal ein Bier zusammen trinken gehen.
Kevin hatte uns immer wieder von diesem Streit erzählt und wie dumm es war sich über diese Anrede aufzuregen, da er die meisten seiner Freundinnen so anschrieb. Auch das er sich mit diesem Mohamad vertragen hatte, erzählte Kevin uns und das er trotzdem glaubte vorsichtig sein zu müssen, weil viele sich aus Stolberg eingemischt hätten und man dem Frieden nicht ganz glauben könnte.

   Dann kam der 4.4.2008

Kevin verbrachte mit seiner Cousine und einigen Freunden einen lustigen
Abend bei einem Freund. Gegen 22,00 Uhr brachten sie einen Freund zum
Busbahnhof. Ein anderer Freund, der zuvor an einer NPD-Versammlung teil genommen
hatte traf auf die Gruppe meines Sohnes und sie wollten wieder zurück zur
Wohnung des Freundes. In dieser Zeit wurde die Gruppe von meinem Sohn von drei Jugendlichengesehen, die dann einen Freund Raimund S. anriefen und meinten sie hätten
jemanden gesehen mit dem er noch was zu klären hätte. (Dieser jemand war leider
gar nicht bei Kevin). Raimund S kam dann auch und rief Josef A. an, von dem sie wussten das dessen Bruder den besagtem Streit im Internet mit meinem Sohn hatte .Man sagte diesem („Wir haben den Kevin Plum gesehen, mit dem hast du doch noch was zu klären). Einige Minuten später traf Josef A. auf seine Kumpels und sie machten sich auf die Suche.  Als sie die Gruppe unseres Sohnes gefunden hatten, riefen sie: („He bleibt mal stehen“). Erst beim zweiten Rufen blieb die Gruppe unseres Sohnes (vier Jungen, einer sehr zierlich, einer mit einem Gipsarm bis zur Schulter und ein kleines zierliches Mädchen) stehen. Sie fragten zuerst nach einem Jungen, den die Gruppe unseres Sohnes nicht kannte. Als sie dann merkten, dass sie in diese Richtung keinen Stress machen konnten, meinte Josef. A zu unserem Sohn "Du bist doch der Kevin Plum und hattest mal Streit mit meinem Bruder" und "Weißt du eigentlich wo du hier bist?“ Darauf sagte Kevin: "Ja, in Stolberg". Und Josef A. meinte: "Das
ist mein Revier". Es kam dann zu einem kurzen Wortwechsel bis das Mädchen
sich aus Kevin´s Gruppe dazwischen stellte und sagte: "Lasst den Kinder scheiß und geht doch einfach". Darauf hin schlug Josef A. dem Mädchen mit solcher Wucht ins Gesicht das diese zu Boden stürzte. Zwei Freunde von Kevin kümmerten sich sofort um das Mädchen. Währenddessen kam es dann zu der erhofften Prügelei, an der auf der einen Seite Josef A., Raimund S. und mindestens ein dritter dieser Gruppe, sowie auf der anderen Seite unser Sohn und Timo S. beteiligt waren. Als Kevin dann merkte, dass sie dieser Gruppe unterlegen waren nahm er einen Schlagstock um weiteren Angriffen vorzubeugen. Kevin hat diesen Stock nicht einmal eingesetzt. Er hielt ihn nur hoch damit die anderen endlich aufhörten und gingen. Worauf auch vier seiner Angreifer erst mal weg liefen. Raimund S. jedoch wollte auf Kevin wieder los. Das wiederum sah Timo S. und schlug ihn zu Boden. In dem Moment rannte Josef A. zu unserem Sohn zurück und stach hinterrücks und ohne Vorwarnung sofort viermal gezielt mit großer Wucht auf Kevin´s Oberkörper ein. Sämtliche Stiche trafen Kevin in die Nähe seines Herzens. Nach dem ersten Stich klappte sein Messer wieder ein und er machte es erneut auf und stach noch weitere dreimal zu. Zwei der Stiche prallten an seinen Rippenbögen ab, ein weiterer drang Lebensbedrohlich in seine Niere und einer traf das Herz unseres Kindes, öffnete den Herzbeutel und durchtrennte die linke Herzkammer. Josef A. rief dann: " Weg hier" und rannte mit seinen Kumpels davon. Kevin taumelte blutend über die Straße und schrie  "Ruft einen Krankenwagen ich blute", bevor er dann endgültig zusammenbrach. Timo S. versuchte dann mit einem T-Shirt Kevin´s Blutungen zu stillen und die anderen Freunde riefen einen Krankenwagen. Doch für Kevin kam jede Hilfe zu spät.

Josef A. lief währenddessen zum Cafe Wettkönig und brüstete sich dort mit den Worten: "Ich habe einen Jungen aus Eschweiler abgestochen". Dann wusch er sich seine Hände und ließ sich von jemand nach Hause fahren. Und während unser Kind starb, lag er im Bett und schlief.

 

 
Bei Gericht

Das was wir bei Gericht erlebten ist der Gipfel der Unmenschlichkeit. Bis heute kann ich nicht verstehen, dass man bei Gericht ein solches Verhalten dulden und ohne Konsequenzen hinnehmen kann.

Bis auf einen, logen alle Zeugen der Täterseite so dreist und frech, dass der Richter ihnen auf den Kopf

zusagte, dass sie lügen und man sie auch in Beugungshaft schicken könnte.

Die ersten vier Zeugen ( sahen Josef. A nach der Tat) litten auf einmal an Gedächtnisschwund. Es kamen die Antworten wie: „ Ich war müde“, "Ist so lang her, kann mich nicht erinnern.“ "Ich leide unter Gedächtnisschwund.“ Einer: „Ich hatte so gute Karten, da interessiert mich doch nicht ob der....."

Anscheinend erleben sie öfters das jemand mit Blut verschmierten Händen vor ihnen steht und sagt „Ich hab jemand aus Eschweiler erstochen.“

 

Der Zeuge Raimund. S sagte er sei von mindestens acht Leuten mit Schlagstöcken zusammen geschlagen worden. Dazu sei gesagt, dass ein Polizeibeamter der ihn kurze Zeit später nach der Tat bei seiner Vernehmung untersucht hatte keinerlei Verletzungen gesehen hatte. Auch seine Mutter hatte es nicht nötig mit ihrem Sohn ein Krankenhaus aufzusuchen. Der Richter ermahnte ihn immer wieder und sein Anwalt ließ die Verhandlung zweimal unterbrechen um ihn zu Vernunft zu bringen. Als sie dann zum dritten mal den Gerichtssaal betraten, sagte der Anwalt, dass er Raimund. S nicht mehr vertreten möchte und legte sein Mandat nieder. Seine Mutter sah uns die ganze Zeit mit so einer Arroganz an, dass sie wahrscheinlich noch nicht mal mitbekam zu was für einen Menschen sie ihren Sohn eigentlich erzogen hat.

 

Der Bruder des Täters meinte bei seiner Zeugenaussage: „Es ist zwar schlimm was passiert ist, aber es war ja ein Unfall“. EIN UNFALL! Mein Kind ist nicht in dieses Messer aus versehen rein gelaufen. Dein Bruder hat gezielt und mit dem Wissen, dass diese Stiche tödlich sind, zu gestochen. UND, dass dein Bruder zu diesem Zeitpunkt noch versuchte mit einer Nothilfesituation seine Haut zu retten, hast du wohl bei dieser Aussage auch vergessen."

 

Bei jeder Verhandlung bekam der M.... unseres Kindes Besuch von seiner Familie. Die ersten Male wenn wir in den Pausen den Gerichtssaal verließen. Doch am dritten Tag machte man sich noch nicht mal mehr diese Mühe. Sein Vater stand nicht mal 20 Meter von uns entfernt im Gerichtssaal und sprach mit ihm. Sie lächelten sich an, küssten und umarmten sich. Der Schmerz und die Wut, die wir in diesen Momenten erlebten, kann sich nur ein Mensch vorstellen, der dies selbst erlebte. Als wir uns beschwerten, sagte man uns das dies so üblich sei. Ich begreife dieses Verhalten bis heute nicht. Wo ist die Menschlichkeit und das Mitgefühl? Ist diesen Menschen nicht klar das es hier nicht um irgendeine Sachbeschädigung geht? Es geht hier nicht um ein Auto das man reparieren oder neu kaufen kann. Es geht hier um den Tod unseres Kindes.

KEVIN IST TOD. Für uns gibt es nie wieder eine Umarmung, ein Lächeln, ein Gespräch oder ein Kuss von Kevin. Nie wieder ein Leben mit ihm. ER IST TOD.

 

Nach der Urteilsverkündung sagte der Richter, dass nach der deutschen Rechtssprechung einem Verurteilten weder Schaden noch Leid zugefügt werden darf. Uns verurteilte man zu Lebenslänglich, warum durfte man uns dann noch weiteres Leid zu fügen?

Die ganze Zeit ging es nur darum was für ein Mensch dieser M.... ist. Was für ein Mensch unser Sohn war interessierte nicht. Wohl immer wieder die Fragen an seine Freunde: War er Rechts? Hat er Drogen genommen? War er Gewalttätig? NEIN, WAR ER NICHT!

Seine Freunde, selbst die die mit beiden Seiten befreundet waren, erzählten, dass Kevin mit jedem befreundet war, sich für jedem einsetzte und einfach ein lebenslustiger Mensch war. Mit ihm konnte man über alles reden und richtig Spaß haben, egal ob man einen DVD-Abend machte oder in die Disco ging. Kevin ist immer seinen Weg gegangen, er hat es nie nötig gehabt sich hinter irgendjemanden zu verstecken oder sich Schwächere zu suchen, um zu zeigen, was für ein starker Mensch er ist. Er war stark weil er sich für Schwächere eingesetzt hat, egal was andere dachten. Er war stark weil er auch „ Nein“ sagen konnte und sich nie einem Gruppenzwang unterworfen hat, nur um irgendjemanden zu gefallen.

Sein M.... dagegen hat vier Einträge im Bundeszentralregister, die deutlich machten was für ein Mensch er ist.

Dreimal wurde er innerhalb einen Jahres wegen hoher Fehlzeiten an Schulen versetzt.

Die Kreise in denen er verkehrte lasse ich hier mal lieber ganz weg. Sein Bruder sagte dazu bei Gericht: „Wir haben es nie gerne gesehen, wenn er mit denen abhing, da gab es jedes mal Ärger“.

 

 Ich kann nicht verstehen, dass die vier, die Josef A. anriefen und mit verantwortlich sind für das, was in dieser Nacht geschah nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Sie logen dreist und frech und versuchten alle Anwesenden im Gerichtssaal für dumm zu verkaufen und werden noch nicht mal bestraft.

 „Keine Reue kam von euch“.
Ihr habt nicht nur Kevin das Leben genommen, sondern auch zwei Kindern den Bruder und die Eltern, die unbeschwert und fröhlich durchs Leben gingen.
 

 

Du hast mein Kind getötet

 Warum? Auf diese Frage hast du bei Gericht geantwortet: "Wegen Nichts"
 Du wolltest deinen Spaß. Den großen coolen markieren. Vor deinen
 Freunden als Held da stehen. Drei Minuten hast du dafür gebraucht. Drei Minuten in denen du dich groß
 und toll gefühlt hast. Mein Kind ist Tod damit du drei Minuten ein bisschen Spaß haben konntest.
 Bei der Obduktion an Kevin sind mehrere Schnittwunden an seinen Händen
 festgestellt worden, die beweisen das Kevin während du zu gestochen hast
 seine Hände schützend vor sein Herz gehalten hat.
 Kevin hat sich noch nicht mal gewehrt. Noch nicht mal als dein Messer nach
 dem ersten Stich wieder zu geklappt ist. Sag mir warum hast du weiter zu
gestochen? Warum? Du hast den Widerstand seiner Rippen, seiner Haut und Hände doch
 gespürt. Wie konntest du da weiter zu stechen?
 Du hast sechs Jahre bekommen für das Leben unseres Kindes und jeder weiß
 das du in vier Jahren mit guter Führung wieder draußen bist. Eine
 Ausbildung darfst du in dieser Zeit machen. Ein bisschen Arbeiten und das
verdiente Geld kannst du sparen, für den neuen Start in dein altes Leben. Ja und
 Hilfe bekommst du natürlich auch, damit du draußen ohne Probleme in die
 Arbeitswelt gleitest. Kevin hat das alles geschafft ohne einen Menschen zu töten. Er hat seine
 Ausbildung abgeschlossen, seinen Führerschein und er hatte eine
Arbeitsstelle. Kevin hatte eine sichere Zukunft bis er dir für drei Minuten begegnet
 ist. Ich frage dich, ist das gerecht?
 Von unseren Steuergeldern wird in den nächsten Jahren dein Essen, deine
 Freizeitbeschäftigung, dein warmes Bett und sogar die Medizinische
Versorgung, wenn nötig bezahlt, damit du am leben bleibst und dein Leben, leben
 kannst. Wo ist da deine Bestrafung? Du tötest und bekommst dafür eine
 Betreuung die dir eine sichere Zukunft ermöglicht.
 Wo ist Kevin´s Zukunft und wo die unserer anderen Kinder?
 Weißt du eigentlich wie oft ich in den letzten Monaten Abschiedsbriefe
 meiner Tochter gefunden habe? Wie sich die Angst anfühlt dieses Kind auch
 noch zu verlieren weil du ihr den Bruder genommen hast? Wie es ist dieses
 Kind in eine psychosomatische Klinik zu bringen? Sie dort alleine zu lassen
 und sie dann verzweifelt am Telefon weinen zu hören? Hast du eine Ahnung bei
 wie vielen Ärzten ich mit dem jüngeren Bruder von Kevin war? Weil er
seit Monaten unter Bauchkrämpfen und Verlustängsten leidet? Du hast nie
 erlebt wie es ist wenn mein Kind bitterlich weint und mich anfleht ihn nicht
 sterben zu lassen. Oder wie es ist wenn mein 11 jähriger Sohn mir unter
 Tränen erzählt, dass er ein Foto von uns fünf mit in seinem Sarg haben
möchte. Mama hat er gesagt: "nur für den Fall der Fälle, ich möchte ja noch
 nicht sterben aber wenn, bitte gib mir ein Foto von uns fünf mit. Ich
möchte euch bei mir haben. Meinst du nicht dass mein Junge noch zu jung ist um
 an solche Sachen zu denken? Irgendwann war ich dann mit ihm Wochen in einer
 Klinik, weil ich hoffte das uns dort geholfen wird. Ja man hofft das dort
 jemand ist, der meinem Kleinem die Angst nimmt und mir den wahnsinnigen
Schmerz der Sehnsucht nach meinem Kind. Um dann zu merken, man kann uns nicht
 helfen. Und weißt du warum? Weil du Kevin getötet hast und nichts bringt uns Kevin zurück.
 Kennst du den Schmerz eines Vaters der Monate lang seinen Sohn vom
Arbeitsplatz aus gesehen hat, der mit ihm die Pausen verbracht hat und mit ihm
 duschen ging. Kennst du diesen Schmerz den er täglich fühlt, weil sein Kind
 dort nicht mehr ist und ein anderer diesen Platz jetzt eingenommen hat?
 Nein, du hast all das nie erlebt und deine Vorstellungskraft reicht nicht aus
um auch nur annährend zu wissen, zu was für einem Leben du uns gezwungen
 hast. Du nahmst Kevin´s ganzes Leben und seine Zukunft. Kevin hatte keine
 großen Ansprüche, er wollte irgendwann heiraten und Kinder haben, ein
 Auto und eine Eigentumswohnung. Und weißt du, mein Junge hätte das auch
 erreicht. 
Du bekamst sechs Jahre mit der Chance auf eine sichere Zukunft. Wir aber
 bekamen Lebenslänglich für eine Tat, die wir nicht begangen haben.
 Du hast für Nichts unser Kind getötet, in drei Minuten das Leben einer
 ganzen Familie zerstört.  Und du besitzt die Frechheit uns zu sagen, dass du hoffst das wir dir
 eines Tages verzeihen.

 Ich sage dir eins, an dem Tag an dem du mir mein Kind wieder gibst, werden
 wir dir verzeihen.

 

Bilder vom Tatort: 

 

 

 

Hier sind einige Gedichte und letzte Gedanken von Kevins Freunden, die sie am Tatort für Ihn aufgehängt hatten. Leider sind durch Regen viele zerstört wurden. Es hat uns sehr viel Trost gegeben zu sehen das so viele von Euch an Kevin gedacht haben.